Leonardo da Vinci und das Handy

Mit dem Stellenwert des Smartphones als Kulturobjekt befasst sich eine Ausstellung des Zürcher Fotografen Nico Aebi in Zürich. Er hat bekannte klassische Malereien mit lebendigen Menschen nachgestellt und mit dem Einsatz eines Handys «aktualisiert» und so verfremdet. «My Smartphone is my Bible», nennt Aebi die Schau von zwölf Bildern.

Selbstverständlich hat Nico Aebi ein Mobiltelefon. Seine Arbeit wäre undenkbar ohne das kleine Gerät. Dennoch haben ihn unzählige Begegnungen in öffentliche Verkehrsmittel oder Restaurants nachdenklich gemacht: «Alle starren pausenlos auf den Bildschirm und reden kaum miteinander. Ich habe darum begonnen, mich zu fragen, was wäre, wenn es das Handy schon seit vier- oder fünfhundert Jahren gäbe», sinniert er, «hätten die klassischen Maler wie Leonardo da Vinci ihre Models bitten müssen, das blöde Ding endlich wegzulegen, um sie portraitieren zu können?»

Die Frage ist fiktiv, ganz klar. Aber Nico Aebi hat sie konkretisiert. Neun Werke von Caravaggio, Marc Chagall, Leonardo da Vinci, Gebhard Fugel, Peter Paul Rubens und Pieter Lastman hat er möglichst detailgetreu nachgestellt und durch den Einsatz von Handys verfremdet. Drei weitere Sujets hat er etwas freier gestaltet, aber auch sie wirken wie klassische Gemälde. Gemeinsam ist dem ganzen Dutzend Bilder das Handy, das etwa in den Händen von Jesus, der heiligen Maria, des Noah oder einer anderen biblischen Figur besonders irritierend wirkt.

Dass Nico Aebi das Smartphone im Titel seiner Schau als «Bibel» bezeichnet hat einen dreifachen Grund: Einerseits verwendet er den Begriff der Bibel als Synonym für eine umfangreiche Sammlung von Informationen. Zum zweiten spielt er damit auf den quasi-religiösen Charakter an, den das Handy für viele Leute bekommen hat. Und zum dritten hat er das Thema ausschliesslich mit religiösen Darstellungen umgesetzt.

Für jedes Bild hat der Fotograf rund einen Monat Arbeit aufgewendet, um Kostüme, die passenden Umgebungen und geeignete Darsteller zu suchen. «Das gab ganz hübsch zu tun», erzählt er, «die besten Darsteller für die Bilder fand ich meist irgendwo in der Stadt, wo ich sie etwa an einer Tramhaltestelle ansprach und für mein Vorhaben zu überzeugen versuchte.» Interessant: Die meisten Personen waren spontan bereit, die jeweils mehrstündigen Fotosessionen über sich ergehen zu lassen.

Galerie Ananda City, Zwinglistr. 23, 8004 Zürich. Vernissage: 26. September, Dauer zwei Wochen.

Öffnungszeiten: Mo / Do / Fr / Sa ab 17 Uhr